Gnadenbild Maria, Mutter der Schönen Liebe

Das Gnadenbild Maria, Mutter der Schönen Liebe ist ein Werk des Benediktinerbruders Innozenz Metz OSB (um 1640–1724) und befindet sich am linken Seitenaltar der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Wessobrunn. Das Motiv fand aufgrund der Verehrung der Unbefleckten Empfängnis Mariens weite Verbreitung in Bayern, Österreich, Südtirol, Ungarn, Böhmen, Polen, Belgien und Frankreich.
Bild oben: Das Gnadenbild Maria, Mutter der Schönen Liebe
Beschreibung
Das Bild zeigt Maria im Porträt vor einem dunkel gehaltenen Hintergrund mit nach links geneigtem Haupt. Ihr gesenkter Blick verweist auf das stille Nachdenken über Gottes Pläne, der sie durch die Botschaft des Engels zur Mutter des Erlösers berufen hat. Diese betende Haltung regt den Betrachter dazu an, sich in derselben Weise Gott zu nähern. Im Haar trägt sie statt Krone oder Heiligenschein einen prächtigen Blütenkranz aus rosafarbenen Rosen, weißen Lilien, kleinen grünen Blättern und weißen Blümchen. Sie trägt einen Schleier, der über ihre linke Schulter fällt, und unter ihrem blauen Mantel ein weißes Seidengewand mit einer mit Edelsteinen besetzten Borte.
Das Bild ist von einem goldenen Rahmen mit silbernen Beschlägen eingefasst, von dem zahlreiche Strahlen ausgehen. Über dem Bild befindet sich eine Krone mit einem Kreuz als Abschluss. Am Rahmen findet sich die lateinische Inschrift Mater Dilectionis Pulchrae – ora pro nobis („Mutter der Schönen Liebe – bitte für uns“). Über dem Strahlenkranz befindet sich ein Engel, der eine weitere Inschrift in Händen hält: Santa (!) Maria gratia dei sine labe concepta o. p. n. (ora pro nobis) („Heilige Maria, durch die Gnade Gottes ohne Sünde empfangen – bitte für uns“). Darüber schwebt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube.
Namensherkunft
 
Die Bezeichnung „Mutter der Schönen Liebe“ ist der Weisheitsliteratur des Alten Testaments entnommen. In Jesus Sirach 24,23–31 (Vulgata) bzw. 24,17–22 (EU) kommt die Weisheit Gottes zu Wort.
Lateinisch
Deutsch
ego mater pulchrae dilectionis et timoris et agnitionis et sanctae spei. in me gratia omnis viae et veritatis in me omnis spes vitae et virtutis. (Sir 24,24f. Vulgata)
Ich bin die Mutter der schönen Liebe, der Gottesfurcht, der Erkenntnis und der frommen Hoffnung. In mir ist alle Lieblichkeit des Weges und der Wahrheit, in mir alle Hoffnung des Lebens und der Tugend. (Sir 24,18; in der EU in einer Fußnote, hier: "Weges" statt "Lebens")
In der personifizierten Weisheit Gottes sah man eine Andeutung im Alten Testament für die dritte Person in Gott, den Heiligen Geist. Derartige Texte wurden an Marienfesten häufig vorgetragen. Da Maria auch als „Braut des Heiligen Geistes“ verehrt wird, lag es nahe, solche Aussagen auf sie zu beziehen. Die Verehrung der Mutter der Schönen Liebe ist mit dem Fest der Unbefleckten Empfängnis am 8. Dezember verbunden. Im Barock war die Marienanrufung Mater pulchrae dilectionis vielen Betern aus der Lauretanischen Litanei vertraut.
Geschichte
 
Um 1700 gelangte das Bild von Innozenz Metz auf Veranlassung von Pater Plazidus Angermayr OSB (1674–1740) ins Kloster Wessobrunn. Traditionsgemäß gab es im Kloster Wessobrunn eine starke Marienverehrung. Bereits die erste Kirche aus der Karolingerzeit war Maria geweiht, und das Fest der Unbefleckten Empfängnis wurde schon 1165 feierlich begangen. Eine romanische Marienfigur in Stein mit dem Namen "Mutter der heiligen Hoffnung" (Mater Sanctae Spei) gilt als das "älteste heute noch erhaltene marianische Gnadenbild Bayerns" (heute im Bayerischen Nationalmuseum, München).
Entsprechend dieser marianischen Tradition wurde das Gemälde etwa 1706 von Abt Thassilo Boelzl OSB auf dem Hauptaltar der Klosterkirche angebracht. Plazidus Angermayr gründete daraufhin eine Bruderschaft zur Verehrung der Unbefleckten Empfängnis Mariens, die von Clemens XI. (1700–1721) am 25. Oktober 1710 genehmigt wurde und bis heute in kleinerer Form besteht. Bei der Betrachtung einer Kopie des Bildes soll der Papst ausgerufen haben:
"In diesem Bild liegt etwas Himmlisches. Es verdient eine Bruderschaft."
Als das Bild in die von Kurfürst Max Emanuel 1723 gestiftete Kapelle der Unbefleckten Empfängnis Mariä in der Klosterkirche Wessobrunn gebracht wurde, nahm die Verehrung des Bildes und der unbefleckt empfangenen Muttergottes durch die stark wachsende Bruderschaft zu, die Mitte des 18. Jahrhunderts mit über 600.000 Mitgliedern ihre Blütezeit erlebte.
Seit dem 11. September 1803 befindet sich das Bild über dem linken Seitenaltar der Pfarrkirche St. Johann Baptist in Wessobrunn.
 
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Einzelnachweise
Dr. Adalbert Mayer: Maria - Mutter der Schönen Liebe in Wessobrunn (Faltblatt). Hrsg.: Kath. Pfarramt Wessobrunn. 2. Auflage. 1997.
Dr. Adalbert Mayer: Bruderschaft von der Mutter der Schönen Liebe. Hrsg.: Kath. Pfarramt St. Johannes Baptist. Wessobrunn, S. 7.
Adalbert Mayer: Bruderschaften beim ehemaligen Kloster Wessobrunn. In: Gemeinde Wessobrunn, Red. Lothar Altmann (Hrsg.): Festschrift 1250 Jahre Wessobrunn. Fink, Lindenberg im Allgäu 2003, S. 225–230.
Irmtraud Freifrau von Andrian-Werburg: Das Bistum Augsburg 2: Die Benediktinerabtei Wessobrunn. In: Germania Sacra - Historisch-Statistische Beschreibung der Kirche des Alten Reiches. de Gruyter, Berlin / New York 2001, S. 210 ff. (germania-sacra.de).
Kurze Beschreibung der Gemeinde Frasdorf mit Chronik. In: derchiemgauer.de. Abgerufen am 9. April 2017
Wessobrunner Gnadenbild im Mittelpunkt. In: augsburger-allgemeine.de, 5. Dezember 2015. Abgerufen am 9. April 2017
Adalbert Mayer: Maria, Mutter der Schönen Liebe in Wessobrunn. Wessobrunn 1995, S. 42.
Literatur
Adalbert Mayer: Maria, Mutter der Schönen Liebe in Wessobrunn. Wessobrunn 1995
Adalbert Mayer: Bruderschaften beim ehemaligen Kloster Wessobrunn. In: Festschrift 1250 Jahre Wessobrunn. Gemeinde Wessobrunn (Hrsg.), Red. Lothar Altmann, Lindenberg im Allgäu 2003
Irmtraud Freifrau von Andrian-Werburg: Das Bistum Augsburg 2: Die Benediktinerabtei Wessobrunn. Germania Sacra - Historisch-Statistische Beschreibung der Kirche des Alten Reiches, Berlin, New York 2001, S. 210 ff.
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